Ich habe mir spontan ein neues Buch über die Orchideen Europas gekauft, hauptsächlich weil es relativ neu ist, die 2. Ausgabe ist aus 2024. Es umfasst ca. 460 Seiten und enthält unzählige Fotos der beschriebenen Arten. Pro Doppelseite werden i.A. 2 oder 3 Arten vorgestellt, wovon immer eine Seite voller Fotos ist. Es sind viele Arten und Gattungen dabei, die ich bisher nicht auf dem Schirm hatte, weil das abgedeckte Gebiet weiter nach Osten und Süden geht als meine anderen Bücher.
Was mich besonders freut, sind die vielen Bestimmungsschlüssel. Es gibt einen, um die richtige Gattung zu identifizieren, und jeweils welche für die Arten der einzelnen Gattungen.
Wie vermutlich zu erwarten war bei einem Buch mit Cribb als Ko-Autor und von Kew herausgegeben, wird hier bei der Taxonomie ziemliches Lumping betrieben. Besonders bei der Gattung Ophyrs dürfte einigen Leuten, die sich damit mehr auseinandersetzen, die Ohren schlackern. Viele Taxa werden zu Synonymen reduziert, etliche kommen auch gar nicht vor, und wieder andere werden zu stabilisierten Naturhybriden erklärt. Ich werde mal die Referenzen im Anhang durchgehen und versuchen herauszufinden, ob es dafür harte Daten gibt.
Interessanter- und dankenswerterweise listen sie Gymnadenia und Nigritella separat.
Der Artstatus vieler Taxa ist ja sehr umstritten und es gibt viele unterschiedliche Meinungen. Ich nehme diese Varianten mal als ein Extrem, aus dem ich hoffentlich mehr darüber lernen kann, welche Taxa nahe miteinander verwandt sind. Das ist ja auch schon sehr hilfreich, auch wenn man im Detail vielleicht nicht allem zustimmt.
Leider folgen daraus aber auch Fehler, zB schnurren sie die ganze riesige Ophrys fusca Gruppe auf eine Art mit 5 Unterarten zusammen, die aber nicht alles abdeckt, was es gibt. So hat in dieser Lesart nur fusca ssp. iricolor eine weinrote Unterseite der Lippe, eine Art, die in Spanien nicht vorkommt, aber ich habe gerade eine fusca (nicht iricolor) mit weinroter Unterseite der Lippe in Spanien gesehen. 



Was ist neu?
Birgit
(auch wenn es eigentlich gar nicht mehr ins Regal passt). Ich bin sicher, dass man aus den Abweichungen was lernen kann, aber vermutlich wird man zumindest für Ophrys noch andere Quellen zum Vergleich brauchen, da kaum jemand sonst diese sehr minimalistische Nomenklatur verwendet. Wenn ich mal die Muße hab, versuche ich vielleicht, die Interpretationen verschiedener Autoren zusammenzuführen. Und ich werde Bekannte, die sich besser auskennen, nach ihrer Meinung fragen.